Schweizer Armee: NZZ-Redaktor im Armee-Podcast – Debatte über Neutralität

Er analysiert Kriege, Allianzen und Machtverschiebungen – und kennt die militärische Praxis aus eigener Erfahrung.

Im offiziellen Podcast der Schweizer Armee spricht der NZZ-Redaktor und Oberst Georg Häsler mit Oberst i Gst Mathias Müller über Neutralität, Denkdisziplin und Verantwortung.

Das Gespräch zeigt, warum Häsler zu den profiliertesten sicherheitspolitischen Stimmen des Landes gehört.



Wer Georg Häsler zuhört, merkt schnell: Hier spricht kein Kommentator aus der Distanz. Der 53-jährige Berner verbindet analytische Schärfe mit militärischem Handwerk. Als Redaktor der Neue Zürcher Zeitung und Oberst der Schweizer Armee bewegt er sich souverän zwischen Medienlogik und Operationsverständnis. Diese Doppelrolle prägt das Gespräch: nüchtern, präzis und überraschend persönlich.

Häsler unterscheidet konsequent zwischen Meinung und Analyse. Sicherheitspolitik, so sein Credo, verlangt klare Begriffe und geistige Redlichkeit. Wer geopolitische Zusammenhänge verstehen will, muss Ambivalenzen aushalten und in Szenarien denken, statt vorschnelle Gewissheiten zu pflegen. Seine militärische Ausbildung habe ihn gelehrt, Komplexität nicht zu scheuen, sondern systematisch zu ordnen. Analyse ist für ihn kein Elfenbeinturm, sondern ein Dienst an der politischen Urteilsfähigkeit.

Die Idee einer Alpenallianz

Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem vielbeachteten Buch «Alpenallianz». Darin entwickelt Häsler die Idee eines sicherheitspolitischen Verbundes der Alpenstaaten – von der Schweiz über Österreich bis nach Italien und Frankreich. Der Alpenraum erscheint nicht als romantische Kulisse, sondern als strategischer Raum mit gemeinsamen Interessen: Schutz kritischer Infrastrukturen, Kontrolle von Transitachsen, Verteidigungsfähigkeit im Gebirge. «Alpenallianz» ist kein Ruf nach Blockbildung, sondern ein nüchterner Vorschlag für pragmatische Kooperation; dort, wo Geografie Realität schafft. Gerade für ein neutrales Land sei regionale Zusammenarbeit ein Ausdruck verantwortungsvoller Sicherheitspolitik.

Neutralität erfordert Glaubwürdigkeit, Wehrhaftigkeit und Debattenkultur

Folgerichtig kommt das Gespräch immer wieder auf die Schweizer Neutralität zurück. Häsler verteidigt sie nicht als ideologisches Dogma, sondern als anspruchsvolle Staatsaufgabe. Neutralität bedeute nicht moralische Gleichgültigkeit, sondern politische Selbstständigkeit. Sie verlange Glaubwürdigkeit, Wehrhaftigkeit und die Bereitschaft, unbequeme Debatten zu führen.

Journalismus soll Orientierung bieten

Auffällig ist Häslers Skepsis gegenüber einfachen Antworten. Sicherheitsfragen lassen sich nicht moralisierend abkürzen. Abschreckung, Landesverteidigung, Kooperation – all das ist von Zielkonflikten geprägt. Gerade deshalb brauche es Journalismus, der erklärt statt erregt. Medien, so Häsler, sollten Orientierung ermöglichen, nicht Ersatzpolitik betreiben.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Gesprächs mit Tiefgang. Georg Häsler wirkt konzentriert, reflektiert und bodenständig. Er steht für eine sicherheitspolitische Kultur, die Denken vor Empörung stellt und Verantwortung vor Pose. Eine leise, aber klare Stimme – und gerade deshalb eine aussergewöhnliche.

 

Quelle: Schweizer Armee
Bildquelle: © VBS/DDPS

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