Genf GE: Polizei ordnet Kriminalitätszahlen ein – Delikte 2025 rückläufig, Langzeittrend tiefer
Der von der Stiftung für die Attraktivität des Kantons Genf (FLAG) veröffentlichte Bericht befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen Sicherheit und Attraktivität und stützt sich dabei auf die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik, welche die Genfer Kantonspolizei jedes Jahr erstellt und veröffentlicht.
Wir begrüssen diesen Beitrag zur öffentlichen Debatte und möchten ihn mit einigen Elementen in einen grösseren Zusammenhang stellen.
Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum 2022–2025 und dokumentiert einen Anstieg der Straftaten in diesen Jahren. Diese Feststellung ist korrekt. Sie gewinnt jedoch an Aussagekraft, wenn sie über einen längeren Zeitraum betrachtet wird. Seit 2015 weist die Gesamtzahl der Straftaten nach Strafgesetzbuch einen langfristig rückläufigen Trend auf: Von 58’800 Fällen in jenem Jahr sank sie auf 47’499 im Jahr 2019, bevor sie 2021 mit 38’234 Fällen einen Tiefststand erreichte. Dieser Tiefpunkt ist mit Vorsicht zu interpretieren: Er fällt in die Zeit der Pandemie, die von Gesundheitsmassnahmen und eingeschränkter Mobilität geprägt war und viele Formen der Kriminalität vorübergehend zurückgehen liess.
Die Rückkehr zur Normalität erklärt zu einem grossen Teil den anschliessenden Anstieg mit 43’838 Straftaten im Jahr 2022, 48’084 im Jahr 2023 und einem Höchststand von 52’146 im Jahr 2024, bevor die Zahl 2025 auf 50’020 zurückging. Der von der Stiftung gewählte Zeitraum beginnt somit unmittelbar nach dieser Ausnahmesituation und umfasst den Höchststand von 2024, was die beobachtete Zunahme verstärkt erscheinen lässt.
Diese langfristige Betrachtung gilt auch für Vermögensdelikte, die im Zentrum des Berichts stehen: 45’179 Fälle im Jahr 2015 gegenüber 36’844 im Jahr 2025. Einbrüche folgen derselben Entwicklung und gingen von 5’747 auf 3’410 zurück, ein Niveau, das heute unter jenem von 2019 liegt.
Der Rückgang im Jahr 2025 zeigt sich zudem in mehreren Bereichen. Innert eines Jahres gingen die Straftaten nach Strafgesetzbuch um 4 Prozent zurück, jene gegen die sexuelle Integrität um 6 Prozent, Raubdelikte um 20 Prozent, Cyberkriminalität um 27 Prozent und Fahrzeugdiebstähle um 12 Prozent. Die schwersten Straftaten weisen weiterhin hohe Aufklärungsquoten auf. Bei Delikten gegen die sexuelle Integrität liegt diese beispielsweise bei knapp 88 Prozent.
Auch die Position Genfs im interkantonalen Vergleich bedarf einer Präzisierung. Der Bericht der FLAG vergleicht Genf mit anderen Kantonen wie Zürich oder Waadt. Genf ist jedoch ein nahezu vollständig urban geprägtes Gebiet, während Kantone wie Zürich oder Waadt grosse periurbane und ländliche Gebiete umfassen, welche die Durchschnittswerte automatisch senken.
Ein Vergleich zwischen Städten liefert diesbezüglich eine ergänzende Perspektive. Die Häufigkeit von Gewaltdelikten in der Stadt Genf liegt mit 9,8 pro 1’000 Einwohner in der unteren Hälfte der grossen Schweizer Städte. Sie ist vergleichbar mit Zürich mit 9,9 und liegt unter Lausanne mit 12,6, Biel mit 11,6, Basel mit 14,5 oder Yverdon-les-Bains mit 14,6.
Diese Feststellung zeigt sich auch bei mehreren Formen von Gewalt: Tätlichkeiten liegen in Genf bei 1,4 pro 1’000 Einwohner, gegenüber 2,9 in Zürich, 4,1 in Lausanne und 5,0 in Basel. Einige Indikatoren liegen hingegen höher, etwa Drohungen, was für eine differenzierte Betrachtung statt einer pauschalen Rangliste spricht.
Bei Diebstählen ohne Ladendiebstahl liegt Genf mit 53,8 pro 1’000 Einwohner auf einem ähnlichen Niveau wie Lausanne mit 54,1 und Bern mit 53,0 sowie unter Basel mit 68,0. Die Position des Kantons unter den stärker belasteten Gebieten ist somit teilweise auf seinen urbanen Charakter zurückzuführen.
Der Bericht weist zu Recht darauf hin, dass die Aufklärungsquote bei Vermögensdelikten in Genf mit 17,7 Prozent niedrig bleibt. Diese Zahl fasst jedoch unterschiedliche Realitäten zusammen: Sie umfasst schwere Delikte wie Raubüberfälle, die zu fast 58 Prozent aufgeklärt werden, ebenso wie Delikte mit geringer Rückverfolgbarkeit, welche den Durchschnitt nach unten ziehen.
Dazu zählen etwa Diebstähle aus Kellern von Mietshäusern, die in der Regel ohne Zeugen begangen und erst spät entdeckt werden. Diese Fälle nahmen 2025 deutlich zu, von 406 auf 668. Hinzu kommt die grenzüberschreitende Dimension bestimmter Phänomene: Die hohe Mobilität der Täter kann deren Identifikation erschweren. Die enge und tägliche Zusammenarbeit mit Frankreich bleibt bei der Bearbeitung dieser Fälle ein wichtiger Vorteil.
Wir blenden auch andere Herausforderungen nicht aus. Die Einbrüche nahmen 2025 zu, insbesondere in Kellern von Mietshäusern, und die Fälle häuslicher Gewalt überschritten die Schwelle von 2’000 Fällen. Home-Jackings, also gewaltsame Einbrüche in bewohnte Häuser oder Wohnungen, nahmen ebenfalls zu, mit 18 Fällen im Jahr 2025 gegenüber 15 im Jahr 2024. Sie bleiben zahlenmässig selten und weisen eine hohe Aufklärungsquote von rund 75 Prozent auf.
Im Bereich der digitalen Kriminalität geht der Rückgang der Fallzahlen mit einem Anstieg der Schadenssummen einher, was darauf hinweist, dass die Vorgehensweisen komplexer werden.
Diese Ergebnisse stehen im Zusammenhang mit einem anhaltend hohen operativen Einsatz. Im Jahr 2025 bearbeitete die Einsatzzentrale 208’615 Anrufe, und die Polizeikräfte rückten zu 90’220 Einsätzen aus, davon 85’288 durch die Kantonspolizei und 4’932 durch die Gemeindepolizeien.
Die Kantonspolizei führte zudem mehr als 12’000 Einsätze durch und stellte gleichzeitig die Begleitung von Grossveranstaltungen und Kundgebungen im öffentlichen Raum sicher. Sie hielt den Einsatz gegen den Strassenhandel mit Drogen auf hohem Niveau, mit 29’326 Einsatzstunden, koordinierte in der Westschweiz und im Tessin die Bekämpfung von Betrugsfällen mit falschen Polizisten und falschen Bankangestellten und setzte die tägliche Zusammenarbeit mit Frankreich fort, insbesondere durch gemischte Patrouillen.
Mit einem Polizisten auf 350 Einwohner verfügt Genf zudem über eine der höchsten Polizeidichten der Schweiz.
Im Jahr 2026 passt die Kantonspolizei ihre Arbeit weiter an. Sie modernisiert die Anzeigeerstattung, indem sie die Online-Terminvereinbarung auf mehrere Polizeiposten ausweitet und die Online-Voranzeige gegen Unbekannt für Opfer von Vermögensdelikten und Cyberbetrug einführt.
Sie verstärkt zudem die Betreuung von Opfern, insbesondere bei schweren Straftaten, Belästigungen und bei besonders verletzlichen Personen. Die Gendarmerie hält eine sichtbare und bürgernahe Präsenz in Bereichen mit hoher präventiver Wirkung aufrecht, in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den Gemeindepolizeien. Die Verkehrssicherheit umfasst jährlich 550 bis 600 gezielte Einsätze.
Die Frage nach den Mitteln und Instrumenten, die den Ordnungskräften zur Verfügung gestellt werden, gehört ihrerseits in die demokratische Debatte und in die Zuständigkeit der verantwortlichen Behörden, unter Einhaltung des gesetzlichen Rahmens und der Rechtsprechung, deren jüngste Entwicklungen die bestehenden Anforderungen erneut verdeutlichen. Die Polizei setzt ihr tägliches Engagement im Dienst der Bevölkerung innerhalb des geltenden gesetzlichen Rahmens fort.
Schliesslich entwickeln sich Zahlen und Sicherheitsgefühl nicht immer gleich. Die letzten Ausgaben der lokalen Sicherheitsdiagnose zeigten im Gegenteil einen Rückgang des Unsicherheitsgefühls: Der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner, die sich abends in ihrem Quartier unsicher fühlen, sank von 34,2 Prozent im Jahr 2016 auf 28,9 Prozent im Jahr 2023.
Die nächste Ausgabe, die für das dritte Quartal 2026 erwartet wird, wird erneut Einwohnerinnen und Einwohner aus dreizehn Gemeinden zu Wort kommen lassen und ermöglichen, die Entwicklung dieser Wahrnehmung zu messen.
Quelle: Kantonspolizei Genf
Bildquelle: Symbolbild © Kantonspolizei Genf