Schwerer Velosturz: So lassen sich Risiken senken
Auch ohne eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug kann ein Velosturz schwere oder lebensgefährliche Verletzungen verursachen. Velofahrende sind bei einem Unfall weitgehend ungeschützt. Deshalb sind ein funktionstüchtiges Velo, ein gut sitzender Helm und eine vorausschauende Fahrweise besonders wichtig. Die folgenden Empfehlungen dienen der allgemeinen Unfallprävention. Sie erlauben keine Rückschlüsse auf die noch ungeklärte Ursache des Unfalls in Chiasso.
1. Ein Velohelm kann schwere Kopfverletzungen verhindern helfen
Bei einem Sturz kann der Kopf auf die Fahrbahn oder auf einen festen Gegenstand aufprallen. Ein geeigneter Velohelm reduziert das Risiko schwerer Kopfverletzungen. Wichtig ist, dass der Helm zur Kopfgrösse passt, korrekt eingestellt und mit geschlossenem Kinnriemen getragen wird. Er sollte weder in die Stirn rutschen noch nach hinten kippen. Nach einem starken Aufprall muss ein Helm ersetzt werden, auch wenn äusserlich keine Beschädigung sichtbar ist. Ob der beim Unfall in Chiasso verletzte Velofahrer einen Helm trug, geht aus der Polizeimeldung nicht hervor.
2. Bremsen und Reifen regelmässig kontrollieren
Zu einer sicheren Velofahrt gehört die regelmässige Kontrolle des Fahrzeugs. Besonders wichtig sind zwei gut funktionierende Bremsen, ausreichend profilierte und unbeschädigte Reifen sowie der richtige Reifendruck. Auch lockere Räder, beschädigte Felgen oder ein schlecht befestigter Lenker können die Fahrsicherheit beeinträchtigen. Vor längeren Fahrten sollte deshalb ein kurzer technischer Kontrollblick zur Routine gehören. Bei auffälligen Geräuschen oder unsicherem Fahrverhalten empfiehlt sich eine Überprüfung durch eine Fachperson.
3. Gefahren auf der Fahrbahn früh erkennen
Unebenheiten, Schlaglöcher, Schienen, Kies oder nasse Fahrbahnmarkierungen können das Fahrverhalten eines Velos beeinflussen. Deshalb lohnt es sich, den Blick nicht unmittelbar vor das Vorderrad, sondern möglichst weit vorauszurichten. Hindernisse sollten frühzeitig erkannt und mit ausreichend Abstand umfahren werden. Plötzliche Lenkbewegungen und starkes Bremsen in einer Kurve können die Kontrolle über das Velo erschweren. Bei unklaren Strassenverhältnissen ist eine tiefere Geschwindigkeit sinnvoll.
4. Vorausschauend und defensiv fahren
Velofahrende sollten jederzeit mit unerwarteten Situationen rechnen. Dazu gehören plötzlich geöffnete Autotüren, abbiegende Fahrzeuge oder Personen, die unvermittelt auf die Fahrbahn treten. Eine angepasste Geschwindigkeit und genügend Abstand schaffen zusätzliche Reaktionsmöglichkeiten. An Kreuzungen und Einmündungen ist besondere Aufmerksamkeit nötig. Wer abbiegen oder ausweichen möchte, sollte rechtzeitig zurückblicken und die Richtungsänderung mit einem Handzeichen anzeigen, sofern dies gefahrlos möglich ist.
5. Sichtbarkeit auch am Tag verbessern
Gut sichtbare Velofahrende können von anderen Verkehrsteilnehmenden früher erkannt werden. Helle Kleidung, fluoreszierende Farben und reflektierende Elemente bieten zusätzliche Vorteile. Besonders in der Dämmerung, bei Regen und bei Dunkelheit ist eine funktionierende Beleuchtung unverzichtbar. Für Velos sind unter anderem ein weisses Vorderlicht, ein rotes Rücklicht sowie die vorgeschriebenen Rückstrahler wichtig. Zusätzliche reflektierende Materialien können die Sichtbarkeit weiter verbessern. Sie ersetzen die gesetzlich vorgeschriebene Ausrüstung jedoch nicht.
6. Ablenkung auf dem Velo vermeiden
Auch beim Velofahren ist volle Aufmerksamkeit erforderlich. Das Lesen von Nachrichten oder die Bedienung eines Mobiltelefons während der Fahrt können gefährliche Situationen verursachen. Wer auf eine Navigationsanweisung angewiesen ist, sollte die Route möglichst vor der Abfahrt einstellen. Müssen unterwegs Änderungen vorgenommen werden, ist das Velo an einem sicheren Ort anzuhalten. Auch das Hören von Musik darf die Wahrnehmung des übrigen Verkehrs nicht beeinträchtigen. Entscheidend ist, jederzeit kontrolliert lenken, bremsen und auf Gefahren reagieren zu können.
7. Nach einem schweren Velosturz richtig helfen
Bei einem schweren Velounfall sollten Helfende zuerst die Unfallstelle sichern und auf die eigene Sicherheit achten. Ist eine Person schwer verletzt, bewusstlos oder nicht normal ansprechbar, muss unverzüglich der Rettungsdienst über 144 alarmiert werden. Befolgen Sie die Anweisungen der Notrufzentrale und überprüfen Sie die Atmung. Bei fehlender normaler Atmung ist mit der Wiederbelebung zu beginnen. Bei Verdacht auf schwere Kopf-, Rücken- oder Halsverletzungen sollten Betroffene nicht unnötig bewegt werden, ausser wenn unmittelbare Gefahr besteht oder lebensrettende Massnahmen dies erfordern.
Gut zu wissen: Ein Velounfall muss nicht zwingend durch ein anderes Fahrzeug verursacht werden. Auch ein alleiniger Sturz kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Das Risiko hängt unter anderem von der Geschwindigkeit, der Umgebung und der Art des Aufpralls ab. Deshalb ist die eigene Schutzausrüstung ebenso wichtig wie ein technisch einwandfreies Velo und ein aufmerksamer Fahrstil.
Praktischer Tipp: Machen Sie vor jeder Velofahrt einen kurzen Sicherheitscheck: Funktionieren beide Bremsen? Haben die Reifen genügend Luft? Sitzt der Helm richtig? Sind Beleuchtung und Rückstrahler in Ordnung? Besonders auf unbekannten Strecken lohnt es sich, das Tempo vorsichtig zu wählen und die Fahrbahn frühzeitig nach möglichen Hindernissen abzusuchen.
Weitere Informationen: Hinweise zur Sicherheit beim Velofahren und zur Unfallprävention finden Sie bei Polizeinews Prävention und auf Polizeinews Tessin.