Auffahrunfälle auf Autobahnen vermeiden: Sicherheitsabstand, Stauende und Rettungsgasse
Auf Autobahnen können bereits kurze Momente der Unaufmerksamkeit gefährlich werden. Bei hohen Geschwindigkeiten legt ein Auto während der Reaktionszeit eine beträchtliche Strecke zurück, bevor überhaupt gebremst wird. Besonders kritisch sind dichter Verkehr, plötzliches Abbremsen und unerwartete Stauenden. Mit ausreichend Abstand und vorausschauender Fahrweise lässt sich das Risiko von Auffahrunfällen reduzieren.
1. Sicherheitsabstand: Warum zwei Sekunden entscheidend sind
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) empfiehlt als Faustregel, zum vorausfahrenden Fahrzeug mindestens zwei Sekunden Abstand einzuhalten. Diese Regel gilt bei guten Strassen-, Wetter- und Sichtverhältnissen. Bei Regen, Schnee, Glätte oder schlechter Sicht muss der Abstand entsprechend vergrössert werden.
So funktioniert die Zwei-Sekunden-Regel: Wählen Sie einen festen Orientierungspunkt am Strassenrand, beispielsweise ein Verkehrsschild oder einen Leitpfosten. Sobald das vorausfahrende Auto daran vorbeifährt, zählen Sie langsam „einundzwanzig, zweiundzwanzig“. Erst danach sollte Ihr Fahrzeug denselben Punkt erreichen.
Bei Tempo 120 legt ein Auto in zwei Sekunden rund 67 Meter zurück. Diese Distanz verschafft zusätzliche Zeit, um auf unerwartete Bremsmanöver zu reagieren. Sie ist jedoch keine Garantie für einen ausreichend kurzen Anhalteweg unter allen Bedingungen.
2. Stauende erkennen und rechtzeitig reagieren
Ein plötzlich auftauchendes Stauende gehört zu den besonders gefährlichen Verkehrssituationen auf Autobahnen. Beobachten Sie deshalb nicht nur das direkt vorausfahrende Fahrzeug, sondern möglichst auch den Verkehr weiter vorne. Bremslichter mehrerer Fahrzeuge können frühzeitig auf eine Verlangsamung hinweisen.
Reduzieren Sie die Geschwindigkeit frühzeitig und vermeiden Sie abrupte Bremsmanöver, soweit die Verkehrssituation dies zulässt. Nähern Sie sich einem Stauende, können Sie nach den Empfehlungen des Bundesamts für Strassen (ASTRA) die Warnblinkanlage einschalten, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen.
Halten Sie auch im stockenden Verkehr genügend Abstand und verzichten Sie auf unnötige Spurwechsel. Das sogenannte Kolonnenspringen kann den Verkehrsfluss zusätzlich stören und erhöht das Risiko gefährlicher Situationen.
3. Rettungsgasse richtig bilden
Auf Schweizer Autobahnen und Autostrassen muss bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse gebildet werden. Dadurch erhalten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst möglichst rasch Zugang zu einer Unfallstelle.
Bei zwei Fahrstreifen: Fahrzeuge auf der linken Spur fahren möglichst weit nach links, Fahrzeuge auf der rechten Spur möglichst weit nach rechts. Die freie Gasse entsteht zwischen den beiden Fahrstreifen.
Bei drei oder mehr Fahrstreifen: Fahrzeuge auf dem äussersten linken Fahrstreifen halten sich links. Alle Fahrzeuge auf den übrigen Fahrstreifen ordnen sich möglichst weit rechts ein. Die Rettungsgasse entsteht zwischen dem äussersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen.
Die Rettungsgasse muss bereits gebildet werden, sobald der Verkehr ins Stocken gerät – nicht erst, wenn ein Rettungsfahrzeug mit Blaulicht auftaucht. Halten Sie die Gasse während der gesamten Stausituation frei.
4. Nach einem Unfall auf der Autobahn richtig handeln
Nach einer Kollision hat der Eigenschutz oberste Priorität. Schalten Sie die Warnblinkanlage ein und versuchen Sie, ein noch fahrbares Fahrzeug wenn möglich sicher auf den Pannenstreifen zu bringen. Tragen Sie eine Warnweste und verlassen Sie das Fahrzeug nur, wenn dies gefahrlos möglich ist.
Betreten Sie niemals ungeschützt die Fahrbahn. Halten Sie sich abseits des fliessenden Verkehrs auf, nach Möglichkeit hinter einer Leitplanke. Beachten Sie dabei besondere Gefahren, beispielsweise auf Brücken oder an engen Strassenabschnitten.
Alarmieren Sie bei einem Unfall die Polizei unter 117 oder über die allgemeine Notrufnummer 112. Bei medizinischen Notfällen ist auch die Sanität unter 144 erreichbar. Geben Sie Autobahnnummer, Fahrtrichtung und möglichst genaue Standortangaben durch.
Das ASTRA empfiehlt, das Pannendreieck auf der Autobahn mindestens 100 Meter hinter dem Fahrzeug aufzustellen. Dies darf jedoch nur geschehen, wenn es ohne Gefährdung der eigenen Sicherheit möglich ist. Folgen Sie im Zweifelsfall den Anweisungen der Notrufzentrale.
Gut zu wissen: Ein Sicherheitsabstand von zwei Sekunden entspricht bei Tempo 100 rund 56 Metern und bei Tempo 120 rund 67 Metern. Bei nasser Fahrbahn oder eingeschränkter Sicht ist ein deutlich grösserer Abstand sinnvoll.
Nicht an Unfallstellen abbremsen: Wer aus Neugier stark verlangsamt, kann den Verkehrsfluss behindern und neue Gefahren verursachen. Fahren Sie an gesicherten Unfallstellen aufmerksam und mit angemessener Geschwindigkeit vorbei. Fotografieren oder Filmen während der Fahrt ist zu unterlassen.
Praktischer Tipp: Gewöhnen Sie sich an, regelmässig den Verkehr mehrere Fahrzeuge voraus zu beobachten. Halten Sie ausreichend Abstand, lassen Sie Ablenkungen durch das Mobiltelefon konsequent bleiben und achten Sie frühzeitig auf Bremslichter oder Warnblinkanlagen.
Weitere Informationen: Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) informiert über das richtige Verhalten auf Autobahnen und bei Verkehrsunfällen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) erläutert die Bedeutung des Sicherheitsabstands und der Reaktionszeit.